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Gesamtpersonalrat verabschiedet Resolution zum Erhalt der Reinhardswaldschule

Gesamtpersonalrat Schule verabschiedet Resolution | Pressemitteilung und Download für Schulpersonalräte

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Foto: pixabay.com | Caio

Der GPRS HRWM hat in seiner heutigen Sitzung fraktionsübergreifend einhellig für die folgende Resolution gestimmt:

In der HNA vom 04. November 2025 wurde berichtet, dass die hessische Lehrkräfteakademie zusammen mit dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen mitgeteilt hat, dass der Betrieb in der Reinhardswaldschule in Fuldatal »spätestens im Jahr 2027 eingestellt werden« soll. Grund sei eine »seit der Coronaepidemie stark verringerte Nutzung und damit einhergehende Unwirtschaftlichkeit«; auch die Tagungsstätte in Weilburg des Landes Hessen soll geschlossen werden. Dabei wurden Zahlen von Seiten des Ministeriums angegeben, die auf der einen Seite die Auslastung/Belegung[1] um ein Vielfaches schlechter und auf der anderen Seite die räumlichen Möglichkeiten[2] völlig überhöht dargestellt haben. Es wird außer Acht gelassen, dass die Reinhardswaldschule (über-)regional aus allen Teilen der öffentlichen Verwaltung, von Behörden, von Bildungsträgern, von Studienseminaren und von Staatlichen Schulämtern als Tagungsstätte in Nordhessen genutzt wird. Eine Nutzung der Reinhardswaldschule durch Vereine und Organisationen würde die Auslastung und Wirtschaftlichkeit erhöhen. Dieses Potential der Tagungsstätte gilt es zu nutzen.

Beachtenswerte Aspekte: Bereits 1950 wusste man, dass das Ambiente bei der Fortbildung wichtig ist: Die Nähe zur Stadt Kassel, der parkartige Garten, die anmutige Landschaft und die Nähe zur Fulda charakterisieren auch heute noch die Reinhardswaldschule[3]. Teilnehmende loben die Verpflegung, Zeit zum Entspannen in der Natur und die Nähe zur Großstadt. Soll nach 75 Jahren mit der Lehrkräftetagungsstätte[4] Schluss sein? Soll 111 Jahre nach der Gründung der Reinhardswaldschule als einstige Reformschule[5]  mit gut einem Dutzend Mitarbeitenden (davon viele im Niedriglohnsektor beschäftigt) eine Tradition enden und dadurch mit Lehrkräftefortbildung in Nordhessen Schluss sein? 

Und dabei sollte jedem klar sein: Bildung ist essentiell für eine Gesellschaft! Bildung ist in Deutschland – Gott sei Dank – schulgeldfrei! Bildung ist ein Gut! Bildung ermöglicht Fortschritt und dient der Gesellschaft! Aber trotzdem: Bildung kostet etwas! Lehrkräfteausbildung (Studium), Referendariat, Schulgebäude, Instandhaltung, Instandsetzung, Digitalisierung, Arbeitsplatzausstattung und letztendlich auch die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte. Allerdings wird seit Jahrzehnten für BILDUNG in Deutschland gemessen am Bruttoinlandsprodukt zu wenig „investiert“, daher sind Kürzungen und EINSPARUNGEN in einem mangelbehafteten System FEHL AM PLATZ! Die Schließung dieser traditionsreichen Tagungsstätte setzt in unserer Zeit und in einer Gesellschaft, die immer stärker zu Polarisierung und Extrempositionen neigt, ein völlig falsches Signal: Gerade jetzt braucht es dezentrale Orte, die Dialog, Offenheit, persönliche Begegnung und pädagogische Weiterentwicklung ermöglichen!

Feststellungen…

  • Lehrkräfte systematisch, umfassend und nachhaltig aus-/fortzubilden ist unbedingt notwendig und keine „Privatsache“ – dennoch stellt das Land Hessen (als Arbeitgeber) hierfür immer weniger Zeit in Form von Freistellung bereit und wird in Zukunft nicht einmal mehr Räumlichkeiten in Nordhessen zur Verfügung stellen.

  • Veranstaltungen in Hotels sind deutlich teurer, als Veranstaltungen in einer eigenen staatlichen Tagungsstätte durchzuführen.

  • Das Land Hessen gibt an, künftig auf kurze Online-Fortbildungen ohne echte persönliche Begegnung zu setzen – nach dem Motto: Die wirtschaftlichste Fortbildung ist die beste Fortbildung. Demzufolge wäre es am kostengünstigsten gar keine Fortbildungen mehr für Lehrkräfte anzubieten – davon sind wir nicht mehr weit entfernt!

  • Die Reinhardswaldschule war die tragende Säule der Entwicklung der demokratischen hessischen Lehrkräftefortbildung nach dem zweiten Weltkrieg und muss auch als diese erhalten und weiter ausgebaut werden.

Forderungen…

  • Erhalt der Reinhardswaldschule als zentrale Tagungsstätte für Lehrkräfte in Nordhessen und für andere staatliche Einrichtungen.

  • Förderung und Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der Reinhardswaldschule.

  • Sicherung der Arbeitsplätze der Angestellten in der Reinhardswaldschule – das Land Hessen trägt Verantwortung für die dort Beschäftigten!

  • Sicherstellung einer pädagogisch unabhängigen Aus-, Weiter- und Fortbildung von Lehrkräften, frei von wirtschaftlichen Interessen und Zwängen

  • Priorität müssen Präsenzfortbildung haben: Online-Fortbildungen können die persönliche Begegnung, den Austausch und das gemeinsame Diskutieren von Problemen nicht ersetzen.

Download

Schulpersonalräte können eine gleichlautenden Muster-Resolution zur Unterstützung der Forderungen herunterladen und ebenfalls zeichnen. Diese bittet der GPRS dann bis zum 02.12.2025 digital an gprs.ssa.bebra@kultus.hessen.de zurückzusenden.

Erstellt von Richard Maydorn | Stand: 19.11.2025


[1] Das Ministerium übermittelte der HNA eine durchschnittliche Belegung mit rund 10 Personen. Dies widerspricht Beobachtungen während des Besuchs von Schulungen. Die tatsächliche durchschnittliche Belegung ist mindestens um das Fünf- bis Zehnfache höher.

[2] Die HNA gibt die maximale Auslastung der Reinhardswaldschule mit knapp 500 Personen an. Diese Anzahl an Personen kann von der dort befindlichen Kantine nicht versorgt werden. Kleingruppenarbeit und pädagogisches Arbeiten wären bei einer maximalen Belegung aller Stühle in der Reinhardswaldschule nicht mehr umsetzbar.

[3] Vgl. Imschweiler, Volker: »Lehrerfortbildung zwischen Selbstorganisation und Steuerungsillusion«, Kassel university press GmbH: Kassel, 2019 (URL vom 13.11.2025: www.pedocs.de/volltexte/2025/31814/pdf/ Imschweiler_2019_Lehrerfortbildung_zwischen_Selbstorganisation.pdf), S. 24. 

[4] 1951 wurde die Reinhardswaldschule erstmals als Tagungsstätte für die Lehrkräftebildung genutzt und war ein Teil der Selbstorganisation der Lehrerfortbildung, die dann wiederum zunehmend verstaatlicht wurde.

[5]Die Reinhardswaldschule wurde von Eleonore Lemp 1914 aus dem ehemaligen „Sanatorium Schocketal“ als Frauenschule mit Internat gegründet und 1943 kriegsbedingt geschlossen. Reformpädagogik stellte dabei das Kind und dessen individuelle Entwicklung in den Vordergrund.