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„8 Meter statt 6 Meter“: GEW überführt Hessen Mobil der Fehlplanung – Vollsperrung der B451 technisch nicht alternativlos

Fakten-Check widerlegt Behördenangaben | Massive Belastung für Bildungsbiografien und Familien | Forderung nach Kurskorrektur

Witzenhausen. Der Vorstands des GEW Kreisverbands Witzenhausen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Außenstelle von Hessen Mobil in Bad Arolsen. Nach eigenen Vor-Ort-Messungen des GEW Kreisvorstands erweisen sich die offiziellen Begründungen für die geplante Vollsperrung der B451 zwischen Helsa und Wickenrode als fachlich unzutreffend. Der GEW Kreisvorstand fordert daher nun einen sofortigen Planungsstopp der Vollsperrung und den Übergang zu einer bürgerfreundlichen Ampellösung.

Fakten-Check widerlegt Behördenangaben

Hessen Mobil begründet die Notwendigkeit einer Vollsperrung bisher mit einer angeblichen Fahrbahnbreite von lediglich 6,00 Metern. Nach Angaben der Behörde reiche dieser Platz nicht aus, um gleichzeitig Bauarbeiten durchzuführen und den Verkehr einspurig per Ampel vorbeizuführen, ohne den Arbeitsschutz zu gefährden.

​„Diese Zahlen halten der Realität nicht stand“, erklärt Richard Maydorn für den GEW Kreisverband Witzenhausen. Mittels digitaler Fotodokumentation am 27.04.2026 sowie einer physischen Nachmessung am 02.05.2026 am Ortsausgang von Wickenrode (Richtung Helsa) wurde eine tatsächliche Fahrbahnbreite von 8,00 Metern festgestellt. Unter Berücksichtigung der Arbeitsstättenrichtlinie (ASR A5.2) ist bei dieser Breite eine einspurige Verkehrsführung technisch problemlos umsetzbar. „Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier eine Vollsperrung zulasten der Bürger gewählt wurde, weil sie für die Behörde schlicht weniger Planungsaufwand bedeutet.“

Massive Belastung für Bildungsbiografien und Familien

Die Auswirkungen einer Vollsperrung wären für die Region verheerend. Eine Datenanalyse der GEW auf Basis von Verkehrsdaten (mittels GoogleMaps) zeigt das Ausmaß: Die normale Strecke von 2,5 km zwischen Wickenrode und Helsa würde durch Umleitungen auf bis zu 31 Kilometer anwachsen (für die einfache Strecke). Eltern und Schulkinder müssten pro Strecke bis zu 32 Minuten zusätzliche Zeit einplanen. Eine Umfahrung der bisherigen Strecke wird daher unweigerlich zu erheblichen beruflichen und familiären Belastungen und unlösbaren Schwierigkeiten bei der „Care“-Arbeit führen und benachteiligt alle betroffenen Bürger insbesondere Familien mit Kindern bei gleichzeitiger Berufstätigkeit massiv, obwohl Familien unter dem besonderen Schutz des Staates (Artikel 6 Grundgesetz) stehen und staatlich geschützt werden müssen.

​„Wir sprechen hier nicht von einer kleinen Unannehmlichkeit, sondern von einer massiven Beschädigung von Bildungsbiografien und einer unzumutbaren Belastung des familiären Alltags“, so Maydorn weiter: „dass Hessen Mobil von den Bürgern erwartet, sie sollten für die Sanierung einer Bundesstraße ‚dankbar‘ sein und ‚individuelle Lösungen‘ für ein staatlich verursachtes Problem suchen, zeugt von einer beunruhigenden Distanz zur Lebensrealität der Menschen vor Ort.“

Verstoß gegen die Landesstrategie „ZUGEWANDT“

Besonders scharf kritisiert der GEW Kreisvorstand den Kommunikationsstil der Außenstelle in Bad Arolsen. In Telefonaten mit bürgerschaftlichen Akteuren wurde Unmut über die Arbeitslast durch Landtags-Petitionen geäußert und berechtigte fachliche Vorschläge der Bürger als „nicht konstruktiv“ abgewehrt.

​Dieses Verhalten steht im direkten Widerspruch zur hessischen Landesstrategie „ZUGEWANDT“ (KASMOD-Beschluss vom 22.09.2025). Diese verpflichtet hessische Behörden zu einer bürgernahen, transparenten und lösungsorientierten Kommunikation auf Augenhöhe. „Eine Behörde ist dazu da, den Bürgern zu dienen. Das bedeutet im Falle der B451 alle technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um eine Region nicht von der Außenwelt abzuschneiden“, betont Maydorn.

Gewerkschaftliche Forderung nach Kurskorrektur

Der Widerstand weitet sich aus: Der Landesvorstands der GEW Hessen unterstützt die Forderungen des GEW Kreisverbands Witzenhausen. Nun wurde der Bürgermeister von Helsa am 01.05.2026 schriftlich aufgefordert, die für den 26.05.2026 geplante Informationsveranstaltung von 19:00 Uhr auf 17:30 Uhr vorzuverlegen. Ziel ist es, den am stärksten betroffenen Eltern mit schulpflichtigen Kindern und denjenigen Eltern mit Kita-Kindern eine Teilnahme ohne Hürden bei der Kinderbetreuung zu ermöglichen.

​Der GEW Kreisvorstand erwartet von Hessen Mobil, dass am 26.05.2026 keine fertigen Fakten präsentiert werden, sondern eine echte fachliche Auseinandersetzung über die nun belegten 8m Fahrbahnbreite erfolgt. „Eine Sperrung der B451 zwischen Helsa und Wickenrode ist für eine wie auch immer geartete Fahrbahnertüchtigung nach unseren Messungen weder verhältnismäßig noch alternativlos“, so Maydorn.

Das Rätsel der schrumpfenden Straße – Behörden-Widersprüche entlarvt

Besonders brisant ist die widersprüchliche Informationspolitik von Hessen Mobil: Während die Außenstelle in Bad Arolsen gegenüber dem GEW-Kreisverband im persönlichen Telefonat am 23.04.2026 vehement auf einer Fahrbahnbreite von lediglich 6,00 Metern beharrte, um die Vollsperrung als „zwingend“ zu rechtfertigen, nennt die Pressestelle in Bad Arolsen nun schriftlich gegenüber Bürgern eine Grenze von 8,30 Metern als Voraussetzung für eine Ampellösung. „Diese Zahlen-Akrobatik ist völlig absurd“, kritisiert Richard Maydorn: „Unsere Messungen vor Ort belegen eine tatsächliche Breite von 8,00 Metern. Nach der allerneuesten Logik von Hessen Mobil würden somit nur mickrige 30 Zentimeter – etwa die Breite eines DIN-A4-Blattes – fehlen, um eine unzumutbare Vollsperrung abzuwenden.“

Dass die Behörde wegen einer derart minimalen Differenz hunderte Schulkinder, Kita-Kinder und Pendler zu täglichen Umwegen von bis zu 62 Kilometern zwingt, anstatt bauliche Möglichkeiten zur geringfügigen Verbreiterung zu nutzen, offenbart eine erschreckende Ignoranz gegenüber den Bürgerinteressen und verstößt eklatant gegen das Gebot der Verhältnismäßigkeit.

Planung noch im Fluss – Widersprüchliche Aussagen zur Ausschreibung

Besonders kritisch wird die Informationspolitik bezüglich des aktuellen Projektstatus bewertet. Nach Angaben von Hessen Mobil aus Bad Arolsen sei die offizielle Ausschreibung für die Baumaßnahme bislang noch gar nicht erfolgt, da noch Abstimmungen zur bisher gesperrten Autobahn-Umleitungsstrecke über den Umschwang (Nieste/Kleinalmerode) ausstünden.

„Wenn die Ausschreibung tatsächlich noch nicht veröffentlicht wurde, gibt es keinen Grund für eine solche starre Haltung der Behörde“, so Maydorn. „In diesem Stadium können bürgerfreundliche Alternativen wie eine Ampelregelung noch problemlos in die Leistungsbeschreibung für die Bauunternehmen aufgenommen werden. Wir fordern Hessen Mobil auf, hier volle Transparenz über den Zeitplan der Vergabe herzustellen. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, ob hier Fakten geschaffen werden, bevor die rechtlichen Grundlagen der Baustelle überhaupt fixiert sind.“

Pressemitteilung als pdf-Datei zum download

Autor: Richard Maydorn | Stand: 03.05.2026